Spiritualität

 

  1. Einheit
  2. Botschaft
  3. Sinnsuche
  4. Seelsorge

Diese Vision vom Menschen als Einheit wurde bereits in der Heiligen Schrift und von verschiedenen Theologen als Einheit von „Körper, Seele und Geist“ oder auch als Einheit von „Körper und Seele“ zum Ausdruck gebracht. Dieses Verständnis vom Menschen als Einheit hat die christliche Einstellung zum Sport konsequent geprägt. Die Kirche als Volk Gottes fühlt sich dem Sport verbunden und ist aufrichtig an ihm als eine der menschlichen Realitäten unserer Zeit interessiert. Natürlich fühlt sich die Kirche verpflichtet, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, dass der Sport mit Menschlichkeit und Vernunft betrieben wird.
Auszug Kapitel 3.1


1. Einheit

Auszug Kapitel 3.1

Körper, Seele und Geist
In historischen Studien wird die katholische Einstellung zur  Körperlichkeit gemeinhin stigmatisiert und als zutiefst negativ dargestellt, aber in Wirklichkeit hat die theologische und spirituelle Tradition des Katholizismus immer wieder betont, dass die materielle Welt (und alles, was existiert) gut ist, da sie von Gott erschaffen wurde, und dass Körper, Seele und Geist des Menschen eine Einheit bilden. Daher betrachteten sie die materielle Welt und den menschlichen Körper als Gegensatz des wahrhaft Spirituellen. 1979 sprach der heilige Johannes Paul II. zu den Fußballnationalmannschaften von Italien und Argentinien über diese Streitfrage:

„In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass bereits die christlichen Denker der ersten Jahrhunderte entschieden bestimmte Ideologien ablehnten, die damals in Mode waren und im Namen einer falsch verstandenen Verherrlichung des Geistes alles Körperliche offen
abwerteten. Auf der Grundlage biblischer Daten verteidigten sie stattdessen eine Vision vom Menschen als Einheit“. [26] (Johannes Paul II., Ansprache an die Fußballnationalmannschaften von Italien und Argentinien, 25. Mai 1979.)

Auszug Kapitel 3.10

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Mensch im Sport in besonderer Weise das Spannungsverhältnis zwischen Kraft und Zerbrechlichkeit, die Freiheit, sich allgemeinen Regeln zur gemeinsamen Ausübung eines Sports zu unterwerfen, die gemeinschaftsorientierte Individualität und die Einheit von Körper und Seele erfährt. Außerdem lässt sich durch den Sport Schönheit erleben. Wie Hans Urs von Balthasar betonte, ist auch die ästhetische Leistung des Menschen ein entscheidendes Merkmal, das zur Suche nach dem Sinn des Lebens anregt. [56] Aus dieser ganzheitlichen anthropologischen Sicht könnte der Sport daher als ein außerordentlicher Bereich betrachtet werden, in dem der Mensch einige grundlegende Wahrheiten über sich selbst und die Suche nach dem Sinn des Lebens erfährt.

Auszug Kapitel 5.2

Wie bereits erwähnt, ist der Mensch eine Einheit von Körper, Seele und Geist: Das bedeutet, dass die körperliche Erfahrung des Spiels und des Sports die anderen Ebenen des Menschen, nämlich die Seele und den Geist, mit einbezieht und auch beeinflusst. Aus diesem Grund ist der Sport an der ganzheitlichen Erziehung des Menschen beteiligt: Papst Franziskus hat uns ermutigt, Spiel und Sport als Möglichkeiten für einen Weg der ganzheitlichen Erziehung des Menschen zu betrachten, einen Weg, der den Verstand, das Herz und die Hände umfasst, beziehungsweis das, was wir denken, was wir fühlen und was wir tun.

2. Botschaft

Auszug Kapitel 3.1

In Übereinstimmung mit Johannes Paul II. betrachtet die Kirche den Sport mit Wertschätzung, da sie „alles schätzt, was konstruktiv zur harmonischen und ganzheitlichen Entwicklung von Mensch, Seele und Körper beiträgt. Deshalb ermutigt sie alles, was dazu dienen soll, den menschlichen Körper zu formen, zu entwickeln und zu stärken, damit dieser besser dazu beitragen kann, persönliche Reife zu erlangen“ [27]. (Johannes Paul II., Ansprache an das Nationale Olympische Komitee Italiens, 21. Dezember 1979.)

„In der Tat stellt der Sport nicht nur die reichen physischen Möglichkeiten des Menschen heraus, sondern auch seine intellektuellen und spirituellen Fähigkeiten. Es geht beim Sport nicht nur um rein körperliche Kraft und die Leistungsfähigkeit der Muskeln, sondern es muß auch seine Seele und sein ganzes Wesen zum Ausdruck kommen.“ [29]. (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des „Internationalen Sporttreffens“ anlässlich der Heiligjahrfeier der Sportler, 28. Oktober 2000.)

Auszug Kapitel 3.10

Der Mensch findet seine tiefste Wahrheit darin, nach dem Bild und Abbild Gottes erschaffen worden zu sein, ihm ähnlich (Gen 1,27). Es stimmt zwar, dass der Sport die Suche nach einer bestimmten Art von Glück verkörpert, die das Zweite Vatikanische Konzil als „ein erfülltes und freies Leben, das des Menschen würdig ist, indem sie sich selber alles, was die heutige Welt ihnen so reich darzubieten vermag, dienstbar machen“, beschrieben hat [57], aber es ist auch wahr, dass der Mensch für ein noch höheres Glück erschaffen wurde. Dieses Glück wird durch das unentgeltliche Geschenk der Gnade Gottes ermöglicht. Es ist wichtig zu betonen, dass die Gnade Gottes das Menschliche nicht zerstört, sondern „die Natur vervollkommnet“ [58] (Thomas von Aquin, Summa Theologiae, I. Buch, Frage 1, 8. Artikel, ad 2.) oder uns in Gemeinschaft mit anderen zur Gemeinschaft mit Gott erhebt, der Vater, Sohn und Heiliger Geist in einer Person ist. 

Auszug Kapitel 5.1

Der Sport ist ein Bereich, in dem die Einladung, eine offene Kirche zu sein, und zwar ohne Mauern und Grenzen, aber mit Plätzen und Sportanlagen, konkret gelebt werden kann. Viel mehr als andere Kontexte kann der Sport unterdrückte und marginalisierte Menschen, Einwanderer, Einheimische, Reiche, Mächtige und Arme einbeziehen, die alle das gleiche Interesse und manchmal sogar den gleichen Sportplatz teilen. Für die Kirche bietet sich eine solche Realität als eine Möglichkeit, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen zusammenzubringen. Wenn die Kirche jeden
Einzelnen persönlich willkommen heißen will, so öffnet sie sich damit der ganzen Welt. So sagt Papst Franziskus:

„Der Weg der Kirche ist genau der, aus der eigenen Umzäunung herauszugehen, um in den grundlegenden Randgebieten der Existenz die Fernen aufzusuchen. […] Nicht nur jene, die an unsere Tür klopfen, mit dem Mut, der dem Evangelium entspricht, aufnehmen und eingliedern, sondern hinausgehen, sich aufmachen und ohne Vorurteile und Angst die Fernstehenden suchen und ihnen gegenleistungsfrei das offenbaren, was wir selber gegenleistungsfrei empfangen haben.“[66] (Papst Franziskus, Predigt bei der Eucharistiefeier mit den neuen Kardinälen, 15. Februar 2015.)

3. Sinnsuche

Auszug Kapitel 1.1

„Die christliche Einstellung zum Sport ist wie auch zu anderen Ausdrucksformen der natürlichen Fähigkeiten des Menschen wie der Wissenschaft, dem Lernen, der Arbeit, der Kunst und der Liebe sowie seinem sozialen und politischen Engagement keine Haltung der Ablehnung oder Flucht, sondern des Respekts und der Wertschätzung, allenfalls der Lossprechung und der Erhöhung: kurz gesagt eine Haltung der Erlösung.“ Diesen Erlösungsaspekt findet man im Sport, wenn die Würde des Menschen Vorrang hat und der Sport dem Menschen in seiner ganzheitlichen Entwicklung dient. So sagt Papst Franziskus: „Das Band, das die Kirche und den Sport vereint, ist eine schöne Tatsache, die sich im Lauf der Zeit gefestigt hat, weil die kirchliche Gemeinschaft im Sport ein gutes Instrument für das ganzheitliche Wachstum der Menschen sieht. Die Teilnahme am Sport regt in der Tat dazu an, auf gesunde Weise sich selbst und die eigenen Egoismen zu überwinden, sich in Opferbereitschaft zu üben und fördert, bei einer guten Ausrichtung, die Loyalität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die Freundschaft und die Beachtung der Regeln.“

(…)

Der Dialog zwischen Kirche und Sport hat zahl- und facettenreiche Vorschläge für die Seelsorge insbesondere in Schulen, Pfarreien und katholischen Vereinen hervorgebracht. Johannes Paul II. unterstützte diesen Prozess sowohl im Lehramt als auch durch die erstmalige Einrichtung einer Arbeitsstelle beim Heiligen Stuhl für das Verhältnis zwischen Kirche und Sport.

„Die Kirche muss in diesem Bereich in der ersten Reihe stehen, um eine an die Bedürfnisse der Athleten angepasste Pastoral zu erarbeiten und vor allem um Sportarten zu fördern, die die Voraussetzungen für ein hoffnungsvolles Leben schaffen können.“[9] Die Kirche unterstützt nicht nur die sportliche Betätigung, sondern sie möchte auch „mittendrin im Sport“ sein, der als ein moderner „Vorhof und Areopag“ gilt, in dem das Evangelium verkündet wird.

Das kirchliche Lehramt verweist immer wieder auf die Notwendigkeit, „einen Sport für den Menschen“ zu fördern, der dem Leben einen Sinn verleihen kann und zur ganzheitlichen Entwicklung des Menschen in moralischer, sozialer, ethischer und spiritueller Hinsicht beiträgt. Das Engagement der Kirche für den Sport zeigt sich in einer vielfältigen und weitreichenden pastoralen Präsenz, deren Ausgangspunkt das Interesse der Kirche am Menschen ist.

„Körperliche Anstrengung, moralische Qualitäten, Liebe zum Frieden: In diesen drei Punkten hoffen wir, Ihnen gezeigt zu haben, dass der Dialog, den die Kirche mit der Welt des Sports führt, aufrichtig und herzlich ist. Unser Wunsch ist es, dass dieser Dialog immer breiter und fruchtbarer wird.“[8] Papst Paul VI., Ansprache an das Internationale Olympische Komitee (28. April 1966).

4. Seelsorge

Auszug Kapitel 5.1

Die Kirche flieht nicht vor der Mitverantwortung bei der Förderung des Sports und der Sorge um sein Schicksal. Gerade aus diesem Grund möchte die Kirche den Dialog mit den verschiedenen Sportorganisationen und -institutionen suchen, um einen Prozess der Humanisierung des heutigen Sports zu unterstützen. Durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit diesen Interessengruppen versucht sie aktiv, den Sport, das System und seine Prozesse zu verbessern. Die Kirche will auch eine Vision von Werten und Moralvorstellungen vermitteln, die dazu beitragen können, die mit der Welt des Sports verbundenen Probleme wie Doping, Korruption, Gewalt von Fans und die ungehemmte Kommerzialisierung, die die Seele des Sports schwächen, anzugehen.

Die Kirche zeigt eine organisierte und institutionelle Präsenz im Bereich des Sports, die es ihr ermöglicht, eine christliche Vision des Sports auf verschiedene Weise und auf mehreren Ebenen zu fördern. Der Heilige Stuhl hat innerhalb seiner eigenen Strukturen verschiedene Abteilungen, die sich dem Phänomen des Sports widmen und die Aufgabe haben, ihn zu verfolgen und aus institutioneller, pastoraler und kultureller Sicht zu fördern.

Auszug Kapitel 5.4

Ohne eine Bildungsstrategie gibt es keine Sportpastoral. Dazu gehört die aktive Beteiligung all jener, die sich auf verschiedene Weise dafür entschieden haben, der Kirche über den Sport zu dienen. Die Kirche braucht Pädagogen und keine bloßen Arbeitnehmer. Die Sportpastoral kann nicht improvisiert werden, sondern man braucht Menschen, die bereit und motiviert sind, die erzieherische Bedeutung des Sports wieder zu entdecken und sich in den Dienst einer christlichen Sicht des Sports zu stellen.

Priester und Personen des geweihten Lebens

Die pastorale Präsenz der Priester und Ordensleute in der Welt des Sports dient der Unterstützung des pädagogischen Projekts und der spirituellen Begleitung des Athleten. Dieses Engagement kann nicht abstrakt und in „intellektueller Ausdrucksweise“, losgelöst vom Alltag, erfolgen. Die Welt des Sports ist eine einladende Welt, aber sie verlangt nach aufmerksamen und respektvollen Seelsorgern, die sich der Dynamik des Sports, seiner Strukturen sowie der für den Sport notwendigen besonderen Fähigkeiten bewusst sind.

Es ist wichtig, dass die Sportpastoral in die Ausbildung derjenigen einbezogen wird, die sich auf den Priesterberuf vorbereiten, und es wäre nützlich, wenn sie die Möglichkeit hätten, während ihrer Studienzeit in den Seminaren Sport auszuüben. In vielen Seminaren auf der ganzen Welt werden bereits sportliche Aktivitäten ausgeübt, auch in strukturierter und gut organisierter Form.

 

„Die Sportpastoral ist ein notwendiger Aspekt und integraler Bestandteil der herkömmlichen Seelsorge für die Gemeinschaft. Aus diesem Grund ergibt sich, dass der primäre und spezifische Zweck der Kirche nicht die Schaffung oder Bereitstellung von Strukturen für sportliche Aktivitäten sein kann, sondern die Verpflichtung, der Ausübung des Sports als menschliche, persönliche und soziale Realität einen Sinn, Wert und eine Perspektive zu geben.“ [65] ITALIENISCHE BISCHOFSKONFERENZ, „Der Sport und das christliche Leben“, Nr. 43.

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